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Aktueller Stand 2007
Information über Ghana/Tansania
Liebe Freunde und Freundinnen unserer Arbeit in Ghana!
Seit Juni sind wir nun unterwegs, erst in Tansania, dann in Ghana, und haben dabei viel erlebt. In Tansania haben wir sowohl einige evangelische Gemeinden besucht, die von Christfrieds Großvater vor über hundert Jahren gegründet wurden, als auch einige Partner-Gemeinden von Helgas Heimatstadt Altdorf. Aber auch einige Montessori-Kindergärten haben wir gesehen, die dort jetzt von der Regierung als Standard eingeführt werden. Daneben haben wir natürlich auch die Tiere im Ngorongoro-Krater besucht und sind ein Stück weit am Kilimandjaro gewandert. Beeindruckend waren die gute Organisation und auch die Sauberkeit. Allerdings haben wir nur den nördlichen Landesteil gesehen, im Süden, wo die Industrie mehr zuhause ist, mag das auch anders aussehen.
Danach ging es weiter nach Ghana, wo wir in der Nähe von Hohoe in der Volta-Region im Haus von Juliana Foli Quartier bezogen haben. Hier können wir uns selbst versorgen. Helga schult hier seit Ende Juli Kindergärtnerinnen in der Anwendung des neuen Lehrplans für Kindergärten in Ghana, der auf der Montessori-Pädagogik basiert, mit dem hier aber bisher niemand so recht etwas anfangen kann. Dieser Kurs wurde von der hiesigen Bezirksregierung sehr dankbar aufgenommen und sofort organisatorisch unterstützt. Die 24 Teilnehmer lernen dabei einen ganz neuen Umgang mit den Kindern: Anstatt mit dem Stock dressiert zu werden, sollen die Kinder spielerisch und altersgerecht lernen und dabei Eigeninitiative und fairen Umgang miteinander einüben. Die teilnehmenden Kindergärtnerinnen werden dabei von Helga jeweils zweimal bei ihrer Arbeit vor Ort beraten und dürfen nach erfolgreichem Abschluss selbst ihre Kolleginnen weiterbilden.
Eigentlich wollte Helga diesen Kurs in Worawora abhalten, während ich, Christfried, mich um die Sanierung der Gebäude des Krankenhauses und den Bau der Schutzmauer kümmern wollte. Dafür hatten wir etwa neun Monate vorgesehen. Aber es kam anders: Seit einiger Zeit schon wollten die Häuptlinge, die in Ghana die örtliche Verwaltung darstellen, Geld vom Krankenhaus und von der Leichenhalle haben, die das Krankenhaus seit langem finanziert. Da ich das ablehnte, wollten sie das Krankenhaus der Kirche wegnehmen und es selber führen. Es gab ein jahrelanges Tauziehen, von dem ich in den letzten Jahren ja immer wieder berichtet habe. Ich ließ mich dadurch nicht beirren und kümmerte mich noch Anfang dieses Jahres weiterhin um eine sichere Notstrom-Versorgung, da wegen der Energiekrise in Ghana das öffentliche Netz regelmäßig abgeschaltet wurde. Aber im März beschloss die Kirche völlig überraschend, dass sie die Trägerschaft für das Krankenhaus abgibt. Damit wurde meine dortige Arbeit, die ich 12 Jahre lang mit ganzem Herzen und vollem Einsatz betrieben hatte, sehr abrupt beendet. Die Häuptlinge haben mir sogar den Zutritt verboten. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, was das für mich bedeutet! Aber immerhin habe ich in den ganzen Jahren mit Hilfe zahlreicher Spender erreicht, dass das Krankenhaus heute wieder fließendes Wasser hat, der OP, das Labor und die Stationen sehr gut ausgestattet sind, und dass es sich mit den Einnahmen der Leichenhalle jetzt sogar weitgehend selbst tragen kann.
Es gibt aber noch einige andere Projekte, für die ich jetzt mehr Zeit habe. So kann ich jetzt auch Helgas Projekt besser unterstützen und verbringe mit ihr derzeit fünf Monate in dem kleinen Ort Likpe-Mate. Hier wird jeder unserer Schritte beobachtet, natürlich auch unsere Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst, bei dem wir jeweils 2 - 3 Stunden verbringen, ohne dabei ein Wort zu verstehen. Aber wir beobachten auch Erschreckendes: Auf dem Land ist die Geburtenrate immer noch sehr hoch, weil Mutterschaft für junge Mädchen oft immer noch die einzige Lebensperspektive darstellt. Auch werden Kinder häufig sehr schlecht ernährt, Mangelkrankheiten sind nicht selten, manchmal bis zum Hungertod.
So erfahren wir täglich mehr über dieses Land und stellen dabei fest, dass unsere bisherigen Vorstellungen immer weniger greifen:
So ist Worawora unter anderem vielleicht auch wegen unserer Vorliebe für Geflügelfleisch verloren gegangen: Ein Häuptling hatte eine gut gehende Geflügelfarm am Rande von Accra. Da nun aber alle Geflügelteile, außer den bei uns so heiß begehrten Schenkeln und Brüsten, tief gefroren zu Dumpingpreisen nach Afrika exportiert werden, geht die landeseigene Geflügelproduktion zu Grunde. Davon ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch dieser Häuptling betroffen und hat nun versucht, aus dem Krankenhaus das Geld zu bekommen, das er dringend zum Repräsentieren braucht.
Wir haben mehrfach gesehen, wie Containerladungen mit gut gemeinten Sachspenden nicht verwendet werden, weil im Moment an diesem Ort für diese Dinge gerade kein Bedarf vorhanden ist, oder weil die Technik (z. B. bei Computern) veraltet ist. Wir müssen unbedingt von der Vorstellung wegkommen, hier könnten die Menschen alles brauchen und wir könnten so mit gutem sozialem Gewissen unsere Entsorgungsprobleme lösen.
Geld oder hochwertige Sachspenden können auch die Abhängigkeit verstärken und damit letztendlich Unzufriedenheit erzeugen.
Aber was sollen wir denn dann überhaupt noch unterstützen, und wie? Ghana ist innerhalb Schwarz-Afrikas laut Statistik das am besten entwickelte Land mit stabiler Demokratie und aufstrebender Wirtschaft. Wir sind an einigen Orten Eigeninitiative, Mut zu Neuem und sozialem Engagement durch Ghanaer begegnet. Das sind Qualitäten, die es noch viel mehr braucht. Hierbei können und müssen wir sie unterstützen und es gibt etliche Projekte, die auf Spenden und Hilfe von uns angewiesen sind.
Folgende Projekte wollen wir kurz darstellen, um nur einige zu nennen:
Mit dem o.g. Kindergarten-Teacher Training setzen wir Impulse zur Veränderung - fast ganz ohne Geld. Natürlich mussten wir erst einmal hierher reisen, mussten uns einrichten, müssen ein Auto unterhalten, um die Kursteilnehmer in den verschiedenen Dörfern zu besuchen, usw. Davon sind ca. 7.000 € noch nicht gedeckt.
Die Gisela-Memorial-Klinik in Abutia-Kpota, von der ich schon mehrfach berichtet habe. Sie liegt südlich von Ho in einem ganz armen Gebiet und wird von der Krankenschwester und Hebamme Juliana Foli in Eigeninitiative geführt. Hier werden im Gegensatz zu vielen öffentlichen Kliniken und Krankenhäusern auch Patienten behandelt, die ihre Behandlung nicht bezahlen können. Vor allem betreut sie viele Entbindungen und hat auch schon mehrfach 6-Monats-Kinder durchgebracht, ohne Brutkasten und ohne Strom. Hier wird jede Spende wirklich sinnvoll genutzt!
Daneben kümmert sich Juliana Foli um die Betreuung von Schukindern und Jugendlichen in Abutia und Umgebung: Sie kauft Schulbücher, Schreibmaterial und Schulkleidung für Kinder ganz armer Familien und überwacht deren regelmäßigen Schulbesuch. Aber auch danach kümmert sie sich um die Jugendlichen, klärt über AIDS und Verhütung auf und unterstützt sie bei der weiteren Ausbildung. Für diese Arbeit besucht Juliana Fortbildungskurse der Regierung, in denen sie für die Jugendarbeit geschult wird. Und selbst diese Kurse kosten Geld. Wir wollen auch diese Arbeit finanziell unterstützen.
In dem kleinen Dorf Likpe-Mate, in dem wir derzeit wohnen, ist vor einem Jahr bei einem heftigen Tropensturm das Dach des Kindergartens abgedeckt und durch den tropischen Regen das gesamte Lehrmaterial völlig zerstört worden. Auch die Mauern, die weitgehend aus Lehm bestanden, wurden dabei so beschädigt, dass für die drei Kindergruppen ein Kindergarten-Neubau unumgänglich ist. Ich habe dafür schon die Pläne gezeichnet und die Bezirksregierung in Hohoe hat auch einen Zuschuss versprochen, aber das reicht bei weitem noch nicht aus. Hier fühlen wir uns jetzt besonders berufen, um für diesen Neubau um Spenden zu bitten.
Zum Schluss habe ich noch eine persönliche Bitte: Wie oben schon ausgeführt, kann ich für das Krankenhaus Worawora nun nichts mehr tun. Es lebt heute aber vor allem - wie schon gesagt - von der Leichenhalle, die ich dort im Jahre 2001 errichtet hatte. Da das Spendenkonto für ein solches Projekt damals nicht ausreichte, habe ich aus meinen eigenen Alters-Rücklagen 31.800 € zinslos beigesteuert, die aus dessen Einnahmen zurückgezahlt werden sollten. Davon sind heute noch 19.800 € offen.
Außerdem hatte ich in den ersten Monaten dieses Jahres von Deutschland aus noch den Austausch des alten, viel zu unwirtschaftlichen Generators gegen einen fast neuen, kleineren unterstützt, damit die Leichenhalle trotz der häufigen Stromabschaltungen in Ghana weiterhin sicher betrieben werden kann. Das wurde jedoch nach der Entscheidung der Kirche gegen Worawora von den Häuptlingen gegen jede technische Vernunft verhindert und der Tausch rückgängig gemacht. Damit bleibe ich auf den Kosten von 4.700 € sitzen.
Ich musste damals im Sinne des Krankenhauses schnell handeln, um noch höhere Folgekosten zu vermeiden. Daher meine Bitte, mich auf diesen beiden Verlusten nicht ganz alleine sitzen zu lassen.
Also, Ihr seht, Spenden werden weiterhin dringend gebraucht und dabei hilft jeder noch so kleine Betrag! Wir bürgen dafür, dass Eure Spende wie bisher auch wirklich ganz für eines dieser Projekte eingesetzt wird. Lediglich unsere direkten Auslagen werden vom Spendenkonto erstattet. Solltet Ihr ein bestimmtes Projekt favorisieren, gebt dies bei Eurer Überweisung einfach an. Anderenfalls, entscheiden wir, für welches Projekt wir Euer Geld einsetzen werden.
Nun wünschen wir Euch allen für den Rest des Jahres alles Gute, eine besinnliche Advents- und Weihnachts-zeit und viel frische Energie fürs nächste Jahr!
Bitte, beachten Sie das Sonderkonto für Ghana/Tansania